Big Data - Teil 2

Technischer Fortschritt Sep. 18, 2020

Blogautor: Let's Catch Vuca Technikleitung - Fabio Anzola

Kritik

Wie bei jeder Technologie gibt es trotz aller Vorteile und Arbeitsabnahme große Kritik.

Sehr beispielhaft kann man die Aussage der US-Amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff nehmen. Ihre Aussage prägte im Zusammenhang mit der Sammlung von personenbezogenen Daten durch Internetkonzerne wie Google und Facebook den Begriff „Überwachungskapitalismus“. Sie sieht darin eine Mutation des Industriekapitalismus, der die private menschliche Erfahrung (Stichwort: Privatsphäre) als frei verfügbares Rohmaterial für die kapitalistische Produktion und den Warenaustausch hält und der die Errungenschaften der Digitalen Revolution zur Überwachung, Speicherung, Manipulation und Vorhersage menschlichen Verhaltens nutzt. Sie befürwortet daher auch die Zerschlagung derartiger Datenmonopole und Konzerne mit dem Ziel, solche zu schaffen. Sie hat darüber auch ein Busch verfasst „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ welches im Jahr 2018 in Deutscher Verfassung veröffentlicht wurde.

Es gibt viele Studien, welche zu dem Ergebnis gekommen sind, dass sich aus den von Nutzern im Internet geteilten Inhalten oft hoch sensible Daten extrahiert werden können. Dieses Thema wird besonders sensibel, wenn man überlegt, dass auch Staaten Big Data verwenden können (Stichwort: Sozialkedit-System in China).

Datenschutz

Datenschutz – ein Thema welches heutzutage in vollem Munde ist. Viele können es schon nicht mehr hören. Doch auch hier spielt Datenschutz eine wirklich große Rolle.

Beispielsweise hat der Datenwissenschaftler Andreas Dewes bei einer Untersuchung gezeigt, dass man anonymisierte Daten, wie man sich von Google, Facebook & co. kaufen kann, leicht wieder entschlüsseln und den Personen wieder zugeordnet werden können. Im Rahmen seiner Untersuchungen hat er die von Werbeunternehmen gekauften, angeblich anonymisierten Daten von ca. 3 Millionen Deutschen wieder zuordnen können. Darunter waren Personen des Deutschen Bundestags, Landesparlaments, sowie Richter und Polizeibeamter. In einem Kommentar betonte der Europäische Datenschutzbeauftragte Giovanni Buttarelli im März 2013, dass persönliche Daten keine Ware seien.

(Unzureichende-) Regulierung

Vor allem bei personenbezogenen Daten stellt sich die Frage, wem diese Daten im Endeffekt gehören, wer sie ausgeben darf und auch wer ihre Nutzung kontrolliert. Eine Darstellung der Europäischen DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) dazu würde den Rahmen dieses Beitrags wohl doch sprengen.
Die Skepsis gegenüber der derzeitigen Regulierung ist jedoch sehr hoch.

Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe, äußerte sich so: „… es habe zu keiner Zeit in der Menschheitsgeschichte ´derart gute Bedingungen für eine totalitäre Diktatur´ gegeben wie heute…“

Grundlagen für die Auswertung

Ein weiterer großer Kritikpunkt beim Thema Big Data ist, dass die Grundlage für die Auswertung von Big Data sehr mangelhaft ist. Beispielsweise geht man bei der Auswertung praktisch ausschließlich nach technischen Aspekten. Er wird also meistens einfach der technisch einfachste Weg gewählt und Statistische Methoden wie die repräsentative Stichprobe absolut vernachlässigt.

Viele Forscher kritisieren die heutigen „positiven Vorurteile“ von Big Data. Folgende sind die häufigsten Kritikpunkte: (Quelle - verändert)
· Größere Datenmengen müssten nicht qualitativ bessere Daten sein
· Nicht alle Daten seien gleichermaßen wertvoll
· „Was“ und „Warum“ seien zwei unterschiedliche Fragen
· Bei Interpretationen sei große Vorsicht geboten
· Viele Daten sind, obwohl sie verfügbar sind, nicht ethisch vertretbar

Ein Beispiel: Es ist bewiesen, dass ein Mensch nicht mehr als 150 Freundschaften pflegen kann. Doch trotzdem haben einige auf Plattformen wie Facebook deutlich mehr „Freunde“. Man würde sicherlich nicht alle seine Facebook-Freunde bei einer Befragung nennen… Hier wird also das Wort „Freunde“ für einen eigentlich ganz anderen Zweck missbraucht und signalisiert. „Freund“ steht auf den meisten Sozialen Netzwerken lediglich für eine Kommunikationsbereitschaft und nicht eine echte „Freundschaft“. Dies nur als Beispiel wie die Bedeutung von Daten gedreht werden können.

Der Hype

Heutzutage wird der Begriff „Big Data“ oft auch dann verwendet, wenn die Daten weder groß noch komplex noch sich schnell verändern (3-V Modell) und damit eigentlich dem Modell für Big Data gar nicht entspricht, sondern im Endeffekt durch übliche Techniken ohne Probleme verarbeitet werden können. Dadurch wird dieser Begriff immer mehr zu einem aussagelosen Marketingbegriff. Dadurch wird Big Data womöglich in den nächsten Jahren wieder eine starke Abwertung erfahren. (Stichwort Hype-Zyklus)

Quellen

https://www.whishworks.com/blog/big-data/understanding-the-3-vs-of-big-data-volume-velocity-and-variety

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/menschheitsgeschichte-das-experiment-sind-wir-a-1199596.html

https://www.deutschlandfunk.de/digitalisierung-smarte-welten-im-kapitalismus-2-0.1170.de.html?dram:article_id=364385

https://www.sas.com/de_de/insights/big-data/what-is-big-data.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Data

https://de.wikipedia.org/wiki/Datenschutz-Grundverordnung

https://www.geeksforgeeks.org/5-vs-of-big-data/

Fabio Anzola

Hi, my name is Fabio and I'm the project management assistance and leader of the admin & technology team